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University of Victoria, Kanada

Lisa

Kanada - Into the Wild 

Hi, ich bin Lisa und ab Januar verbringe ich ein Semester an der University of Victoria auf Vancouver Island. Ich bin sehr gespannt auf meine Kurse an der UVic, meine Erlebnisse in meiner Gastfamilie und meine Ausflüge und Reisen auf der Insel. Die University of Victoria legt einen großen Wert auf die Forschung innerhalb der Environmental Studies und auf ihre Zusammenarbeit mit Indigenen Menschen. Gerade deshalb habe ich mich ursprünglich für die UVic entschieden und kann es kaum erwarten tief in die kulturellen und landschaftlichen Vorzüge Vancouver Islands einzutauchen.

Aufgrund der aktuellen Situation fühlt es sich seltsam und fast unangebracht an eine solche Reise anzutreten, dennoch blicke ich meiner Zeit in Kanada mit abenteuerlicher Gespanntheit entgegen. Meine Eindrücke, Erkenntnisse und Gedanken in den kommenden Monaten würde ich gerne mit euch teilen!

Studiengang: Englisch und Kunst auf Lehramt

Austauschprogramm: Bilateraler Austausch

Die letzten Tage in Vancouver nutzen wir gut. Wir erkunden alles zu Fuß, genießen das großartige Wetter und sind überraschend viel im Grünen. Wir laufen durch den Stanley Park, den über 400 Hektar großen Stadtpark Vancouvers und somit größten Stadtpark Kanadas, stoßen auf das Grab von Pauline Johnson, einer Indigenen Dichterin, Autorin und Performance Künstlerin, welche ich im Zuge meines Canadian Literature Seminar lesen konnte und finden eine Reihe Totempfähle, die auf die indigene Signifikanz des Parks hinweisen. Außerdem besuchen wir den Campus der UBC und dabei auch das Museum für Anthropologie. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr raus, als wir durch mehrere Ausstellungsräume laufen, die Schnitzereien und Schmuck von indigenen KünstlerInnen zeigen und Kleidung und Gebrauchsgegenstände ausstellen. Im Hintergrund werden Tonaufnahmen abgespielt, in denen indigene Menschen darüber sprechen, wie es sich für sie anfühlt die Kulturgüter ihrer Vorfahren in einem Museum zu sehen, fern ab von ihren Communities oder Menschen, die sie nutzen könnten. Aber es sei wichtig weiße SiedlerInnen und BesucherInnen des Landes auf eben diese Kulturgüter aufmerksam zu machen und somit ein Stück Indigene Kultur zu teilen, die solange als verboten galt.

Am letzten Tag in Vancouver packe ich meinen Koffer. Vier Monate Leben in einem neuen Land sollen in einen Koffer passen. Aber es passt und nur meine Bücher nehme ich in einer 9kg schweren Sporttasche mit ins Handgepäck. Direkt vor dem Flug lasse ich mich am Flughafen testen und dann geht es auch schon ab nach Deutschland. Ich verschlafe fast den kompletten Flug und komme morgens in Frankfurt an. Das große Wiedersehen mit Freunden und Familie läuft dann doch etwas anders ab, denn statt einer Willkommensparty gibt es fünf Tage Quarantäne. Aber meine Freunde und Familie kommen zu meinem Balkon zum Winken und die Zeit geht Dank der Uni, die ich direkt am Montag nach meiner Ankunft beginne, sehr schnell rum. In der Quarantäne habe ich auch die Gelegenheit die letzten vier Monate zu reflektieren.

Ich habe unglaublich viel gelernt, durfte neue Eindrücke und Erfahrungen sammeln, habe viele interessante Menschen kennen gelernt, mich bestimmt auch sehr verändert und hoffentlich meine politischen Ansichten bestätigen und meine westliche Weltwahrnehmung transformieren können. Ich denke an meine neuen interkulturellen Fähigkeiten, meine verschärften Sprachkenntnisse und vor allem an meine Arbeit im Bereich der Indigenous Studies. Ich bin froh und dankbar, dass ich mein Auslandssemester trotz einer globalen Pandemie antreten konnte und dass ich meine Zeit vor Ort nutzen konnte, um mich in vielen neunen Bereichen zu bilden. I wouldn’t have it any other way und meine Erfahrungen und Erlebnisse in Kanada würde ich für nichts auf der Welt eintauschen! Rückblickend war die UVic für mich die perfekte Universität und ich habe die enge Zusammenarbeit mit anderen Studierenden und DozentInnen unglaublich genossen. Das war sicher nicht mein letztes Mal auf Vancouver Island und auch meine Gastfamilie hat mir versichert, dass ihre Tür für mich immer offen steht.

Mein Partner und ich mieten uns ein Auto und fahren an einem sonnigen Tag in Victoria los. Der Kofferraum ist voll mit Gepäck und Proviant für unseren Roadtrip und auf dem Highway 4 machen wir uns auf den Weg nach Ucluelet. Unser Plan: Surfen, den Regenwald erkunden und natürlich auch noch unsere letzten Klausuren schreiben. Die Fahrt durch die Berge ist atemberaubend, wir halten ständig an, um uns die Seen und Bergketten auf der Stecke anzugucken. Wir treffen nur wenig andere Menschen und endlich fühlt man sich mal so richtig allein auf der Insel. Mitten in der Natur, abseits von den Großstädten. In Ucluelet angekommen verbringen wir viel Zeit am Strand und in der Natur und lassen einfach ein bisschen die Seele baumeln. Ich freue mich wie ein kleines Kind als ich nach dem Surfen plötzlich ein paar Grauwale vorbeischwimmen sehe und genieße die Gemütlichkeit des kleinen Ortes, der so weit abseits von allem liegt, sehr. Mit einem Boot fahren wir auf den Pazifik und sehen noch mehr Grauwale, aber auch viele Robben und Seelöwen und ein paar Otter.

Von Ucluelet aus erkunden wir noch Tofino und machen uns schließlich mit schwerem Herzen auf den Weg zu unserm nächsten Stopp Nanaimo. Hier setzen wir mit der Fähre nach Vancouver über. Die Insel zu verlassen ist schwer, aber Vancouver überzeugt mich vor allem damit, dass die Stadt unglaublich grün ist. Wie immer haben wir super Glück mit dem Wetter und nach einer Woche Natur fühlt sich die Großstadt trotzdem gut an. Wir wohnen in einem Studio in Downtown, schauen auf Granville Island und genießen jeden Abend den Sonnenuntergang von unserm Balkon aus. Ich schreibe meine letzte Klausur an der UVic über Feminismus und Frauenrechte in meinem Kurs ‚Geschichte der Menschenrechte‘ und so langsam begreife ich, dass meine Zeit hier bald zu Ende ist.

Eins steht fest, nach Hause möchte ich nicht!

 

 

 

 

Die letzte Woche in meiner Gastfamilie bricht an. Unter anderen Umständen hätte ich jetzt vielleicht geschrieben: so schnell alles anfing, ist es auch wieder vorbei. Aber der Weg nach Kanada und ins Auslandssemester war mühsamer als gedacht und ich kann einfach nicht glauben, dass jetzt schon wieder alles vorbei sein soll…

Ich ertappe mich dabei, wie ich mich gedanklich von Plätzen verabschiede und immer wieder kommt mir der Gedanke „bin ich hier gerade vielleicht zum letzten Mal?“. Meine Zimmernachbarin Erica und ich versuchen noch so viel Zeit wie möglich gemeinsam zu verbringen, gehen zur Motivation zusammen in die Uni Bibliothek zum Lernen und machen tägliche kleine Ausflüge in unseren Lernpausen. Das meine Klausurenphase bis zu meiner Abreise aus meiner Gastfamilie andauert, macht den Abschied nicht leichter. Ich kann mir schon gar nicht mehr richtig vorstellen, wie es ist hier nicht zu leben.

Auch in meinen Kursen an der UVic bin ich im Endspurt. Einige Fächer habe ich schon letzte Woche abgeschlossen und wehmütig trete ich meine letzten Zoom Sitzungen an. Aber ich freue mich auch auf die nächsten 2 Wochen, die ich damit verbringen werde die Insel noch etwas genauer zu erkunden. Unter Berücksichtigung der Covid Reglungen in British Columbia werde ich einen Roadtrip in den Norden der Insel machen und anschließend mit der Fähre nach Vancouver übersetzten, da ich von dort aus zurück nach Deutschland fliege. Ich freue mich wahnsinnig auf die Reise, auch wenn es mir sehr schwer fallen wird meine Zeit in Victoria hinter mir zu lassen und mich von den vielen tollen Menschen zu verabschieden, die ich hier kennenlernen durfte.

Schon oft bin ich durch Downtown Victoria gelaufen und habe Chinatown wahrgenommen, aber erst vor kurzen nehme ich mir dann doch mal die Zeit einige Infotafel durch zu lesen und die Straßen Chinatowns bewusst abzulaufen. Direkt im Herzen von Downtown Victoria befindet sich nämlich Kanadas ältestes Chinatown. Direkt nach San Franciscos Chinatown sogar das älteste in Nordamerika.

Mitte des 19. Jahrhunderts immigrieren viele chinesische Mienenarbeiter aus Kalifornien nach British Columbia, um in dem damals kürzlich entdeckten Fraser Canyon zu arbeiten. Vom späten 19. Jahrhundert bis Anfang des 20. Jahrhunderts siedeln sich in Victorias Chinatown die meisten chinesischen EinwandererInnen Kanadas an. Im Jahr 1911 erreicht Chinatown seinen Höhepunkt in Bezug auf Fläche und Einwohnerzahl. Zwischen 1920 und 1970 gerät das Viertel durch offenen Opiumkonsum in Verruf und wird ab den 80ern bewusst revitalisiert. Zu den Maßnahmen der Revitalisierung Chinatowns gehört auch der Erbau des Gate of Harmonious Interest, das BesucherInnen beim Eintreten in Chinatown begrüßt.

Ich bin fasziniert von den vielen kleinen Läden und Geschäften und vor allem von den zahlreichen freundlichen Menschen, die sich in Chinatown aufhalten, obwohl viele von ihnen hart um das Überleben ihrer Geschäfte während der Pandemie kämpfen müssen. Was macht man also als Tourist am besten um die LadenbesitzerInnen in dieser Zeit zu unterstützen? Genau, man kauft bei ihnen ein! Besonders bezaubert mich auch die Fan Tan Alley, eine unglaublich schmale Gasse, die man leicht übersehen könnte, wenn man nicht genau hinsieht. Ursprünglich war die Gasse Schauplatz des Opiumkonsums, heute wird sie geziert von vielen kleinen Geschäfte, Art Galleries und Cafes. Fun Fact: die Gasse ist auch ein beliebter Drehort für Serien und Filme.

Bald startet meine Klausuren Phase an der UVic und ich will sichergehen, dass ich vorher meine verbleibende Zeit noch etwas zum Reisen nutze. Kurzfristig entscheide ich mich einen Roadtrip nach Nanaimo zu machen und besuche im Zuge dessen meinen Partner, der an der Vancouver Island University studiert. In drei Tagen versuche ich soviel wie möglich in Nanaimo und den umliegenden Naturgebieten zu erkunden.

Mit der Fähre setzten wir nach Gabriola Island über. Die kleine Insel, nur eine 20-minütige Fahrt von Nanaimo entfernt, ist unter anderem bekannt für ihre Malaspina Galleries. Die Sandstein Formationen verdanken ihre spektakulären Formen jahrhundertelanger Bearbeitung durch Wind und Wellen. Außerdem hat man von der Insel aus einen atemberaubenden Ausblick auf die umliegenden Gebirgsketten. Es gibt nur wenige befestigte Straßen auf der Insel und sobald man eine von ihnen verlässt, ist man mitten im Nirgendwo und erlebt unglaubliche Stille. Auch der Hafen und Downtown Nanaimo haben viel Charme im Licht der warmen Frühlingssonne und ich bin mal wieder sehr froh und dankbar meine Zeit auf so einem schönen Fleckchen Erde verbringen zu dürfen.

Während einer Wanderung um den Westwood Lake sehe ich einen Weißkopfseeadler und bei einem abendlichen Spaziergang am Hafen schwimmen ein paar Robben im Hafenbecken an mir vorbei. Gerade deswegen gefällt mir Vancouver Island besonders gut. Man weiß nie auf was oder wen man als nächstes trifft. An die Schreie der Möwen habe ich mich auch immer noch nicht gewöhnt, obwohl ich jetzt schon fast drei Monate hier am Meer lebe. Es fühlt sich immer noch an wie Urlaub. Auf einen Wal muss ich wohl noch ein bisschen länger warten.

Das Studium an der UVic ist sehr zeitintensiv und ich beschäftige mich inhaltlich mit vielen Themen, die mir oft sehr nahe gehen. In meinem Seminar zur Geschichte der Menschenrechte komme ich immer wieder an meine Grenzen und auch in den Indigenen Studien wird mir schnell bewusst, dass ich mir einen guten Ausgleich zu den oft sehr fordernden Seminarinhalten suchen muss.

Ein solcher Ausgleich kann thematisch auch indirekt mit meinen Seminaren verbunden sein. Gemeinsam mit Freunden mache ich eine Wanderung auf den Berg PKOLS. Besser bekannt ist der Berg hier leider unter seinem kolonial Namen Mount Douglas, benannt nach dem kanadischen Commissioner James Douglas, der 1850 mit den Indigenen Nationen Vancouver Islands über das Land der Indigenen Bevölkerung „verhandelte“. Am 22. Mai 2013 erklommen Mitglieder der W̱SÁNEĆ und Lekwungen Nationen den Berg und protestierten für die offizielle Umbenennung des Berges zurück zu seinem Indigenen Namen PKOLS. Das Projekt Reclaiming PKOLS hatte bis jetzt leider noch keinen Erfolg und der Berg ist weiterhin offiziell benannt nach James Douglas. Der James Douglas, welcher 1850 den Indigenen Abgeordneten ein Stück blankes Papier zum Unterzeichnen präsentierte und seine Version der territorialen Abkommen, welche natürlich drastisch von den verhandelten Abkommen abweicht, im Nachhinein ergänzte…

Aber auch Downtown Victoria bietet einen praktischen Ausgleich zu meinen theoretischen Seminaren. Einige traditionelle, Indigene Plätze haben überlebt. Sieben dieser Plätze sind durch Schnitzereien des Songhees Künstlers Butch Dick gekennzeichnet. Ich suche diese sieben Plätze auf und schaue sie mir mal genauer an. Unterstützt werden die Signs of Lekwungen durch Erklärtafeln. „WE ARE STILL HERE“ – WIR SIND IMMER NOCH DA, bekunden sie und klären über die traditionelle und kulturelle Signifikanz der Plätze auf. Einen der Spinnwirtel, ein traditionelles Werkzeug zum Wolle spinnen, finde ich direkt am Hafen. Er markiert Whu-SEI-kum, „Platz des Schlammes“ und steht für die weiten Schlickwatten, welche den Lekwungen People zum Muscheln Angeln dienten und die bei dem Erbau des Empress Hotels begraben wurden. Direkt oberhalb des Spinnwirtels, auf der Höhe des Empress Hotels, befindet sich eine Statue von James Cook. Eine sehr unglückliche Platzierung oder doch kein Zufall?

Diese Woche ist Reading Break, sprich viel Zeit für Ausflüge und Lektüre. Endlich kann ich ausgiebigere Spaziergänge zum Strand und durch die Nachbarschaft machen. Mein Ziel war es bis jetzt immer mindestens einmal am Tag die Straße runter zum Wasser zulaufen. Das klappt mal mehr und mal weniger gut. Aber jetzt schaffe ich es tatsächlich täglich zum Wasser, mal in Begleitung meines aktuellen Buchs oder eines Tees und mal in Begleitung meiner Mitbewohnerin.

Hier in Victoria ist jetzt auch der Schnee angekommen und ich werde gelegentlich von lauten Jauchzern der Nachbarskinder geweckt, die schon vor der Schule Ski und Snowboard auf der Straße fahren. Der Himmel ist die meiste Zeit klar blau und mir fällt auf, dass ich noch nie zuvor einen Schneemann am Strand bauen konnte. Aber so schnell der Schnee gekommen ist, ist er auch wieder weg und plötzlich sieht man wieder die vielen kleinen Blüten am Straßenrand, die hier schon seit Anfang Januar sprießen.

Ich habe viel freie Zeit und nehme an einem Intercultural Competencies Workshop der UVic teil. Gemeinsam mit anderen internationalen Studierenden unterhalte ich mich über kulturelle Unterschiede und potentielle Konfliktpunkte, die durch einfache Missverständnisse entstehen können. Während der Zoom Sitzung muss einer der Studierenden aus Frankreich mehrmals nacheinander niesen, wir alle lachen und eine Studierende aus China erklärt uns, dass es nach ihrem kulturellen Verständnis unangebracht ist öffentlich zu niesen oder sich die Nase zu putzen. Wieder was dazu gelernt!

Außerdem beschließe ich das Angebot der UVic zum Speed-Friending per Zoom wahrzunehmen. Die VeranstalterInnen stellen uns kurze Fragen und teilen uns in dreiminütige Breakout-Sessions ein, in denen wir mit einer PartnerIn ins Gespräch kommen. Dabei lerne ich einen Studierenden aus Thailand kennen. Er konnte durch Covid leider nicht persönlich an die UVic kommen, freut sich aber wahnsinnig, dass ich es geschafft habe. Das ist übrigens der gängige Kanon in allen Gesprächen mit Studierenden aus dem Ausland, die es nicht nach Kanada geschafft haben. Alle gönnen es einander und niemand ist eifersüchtig. Alle sind einfach froh, trotzdem an der UVic studieren zu können.

Es ist meine vierte Woche hier und bereits jetzt habe ich schon unglaublich viel im Bereich der Indigenous Studies gelernt. Wir sprechen über den Genozid an Indigenen Menschen in Kanada, Residential Schools, territoriale Abkommen und darüber, warum mit der Abschaffung des Indian Acts niemandem geholfen wäre, aber vor allem sprechen wir über die Perspektiven, Geschichten und Weltanschauungen der Indigenen Menschen in settler-colonial Canada. Die Inklusion der territorialen Anerkennung und eine Trigger Warnung sind in fast jedem Seminar an der Tagesordnung.

Ich frage mich wie ich in den kommenden Monaten eine gute Verbündete für die indigenen Studierenden des Seminars sein kann, die offen über ihr eigenes Trauma und ihr erlebtes intergenerationelles Trauma sprechen. Eine unserer ersten Aufgaben im Seminar ist das Verfassen einer Self-Location: Wer bin ich? Wo komme ich her? Was ist meine Absicht auf diesem Land? Und vor allem: Was nützt mein Aufenthalt auf diesem Land den Indigenous Peoples und wie kann ich zu Dekolonisierung beitragen? Der wichtigste Schritt für mich ist die Anerkennung meines eigenen Privilegs.

Mein Aufenthalt hier wird durch Kolonialisierung ermöglicht und auch wenn ich nicht aktiv an ihr beteiligt bin, profitiere ich dennoch von ihr. Meine Recherche hier darf nicht nur von Neugier und Interesse geleitet sein, denn wie meine Professorin feststellt: Indigenous Peoples were literally researched to death – Indigene Menschen wurden zu Tode recherchiert.

Ich bin froh, dass ich zusammen mit meiner Professorin und anderen Studierenden an einem Appell – Calls for Justice for all Canadians – an die kanadische Regierung arbeiten darf. Wir protestieren gegen die fehlende Reaktion der Regierung auf das MMIWG (Missing and Murdered Indigenous Women and Girls – Vermisste und Ermordete Indigene Frauen und Mädchen) Ermittlungsgutachten.

Ich danke den Lekwungen People, einschließlich der Songhees und Esquimalt, und den WSÁNEĆ People, einschließlich der SȾAUTW/Tsawout, WJOȽEȽP/Tsartlip, BOḰEĆEN/Pauquachin und WSIḴEM/Tseycum, auf deren Land ich lernen darf.

Das ist tatsächlich mein erster Gedanke als ich, nach einer fast 24 Stunden langen Reise, am 31. Dezember 2020 um 18:38 Uhr bei meiner Gastfamilie in Victoria, im Stadtteil Cadboro Bay, ankomme. Victoria, eine Stadt, auf die ich bis jetzt nur einige wenige Blicke aus dem Taxi heraus erhaschen konnte, ist regnerisch, grün und einfach bezaubernd. Aus meinem Fenster heraus sehe ich hohe Tannen, am Horizont das Meer und vereinzelt bekomme ich Besuch von Rehen, Hirschen und Waschbären. Ansonsten passiert nicht viel und doch alles. Die Welt dreht sich ganz normal weiter, obwohl sie für mich die nächsten 14 Tage stehen bleibt. Meine Gastfamilie empfängt mich mit offenen Armen und ich weiß einfach nicht so richtig wie ich ihnen durch die Tür oder über FaceTime für alles danken kann. Erica, meine zukünftige Mitbewohnerin und Zimmernachbarin von den Philippinen, ist schon seit Januar 2020 hier. Durch sie erfahre ich wie hier alles läuft und sie gibt mir das Gefühl angekommen zu sein. Ich kann es kaum erwarten die Stadt zu sehen in der ich seit Tagen lebe und die Menschen kennen zu lernen, die mir jeden Abend das Essen an meine Tür bringen und die ich erst wenige Male gesehen habe, obwohl wir Tür an Tür leben.

Gefühle von Einsamkeit, Zeit für Selbstreflektion und auch der Verlust eines Kommilitonen, sowie der Gewinn neuer Freund- und Bekanntschaften und die Festigung bestehender Freundschaften, haben meine ersten zwei Wochen in Victoria und als Studierende an der UVic in Quarantäne geprägt.

Ein Auslandsaufenthalt kann zunächst erstmal sehr einschüchtern. Vor allem, wenn er im Studium vorgegeben ist. Sofort stellt man sich Fragen wie „Wie kann ich das alles finanziell stemmen?” oder „Wo bekomme ich finanzielle Unterstützung?”. Mir hat es wahnsinnig geholfen, zu wissen, dass man sich immer auf Stipendien bewerben kann! Zum Beispiel das Storyteller Stipendium ist eine tolle Möglichkeit finanzielle Unterstützung, während dem Auslandsaufenthalt zu bekommen und gleichzeitig seine eigenen Erfahrungen mit anderen zu teilen!

Finanzielle Begebenheiten sollten einen im besten Fall nie davon abhalten, die gleichen Erfahrungen wie Kommiliton*innen zu machen. Man findet immer eine Möglichkeit und es kommt nicht nur auf die Noten im Studium an, sondern auch auf das generelle Engagement an der Uni. Die Patenprogramme wie Dortmund Doubles oder auch das Buddy Programm bieten spannende Einblicke in den Austausch vor dem eigenen Auslandsaufenthalt und zeigen, dass man sich auch im Austausch engagiert.

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