Study Abroad Storyteller
Folgen Sie einer TU-Studentin beim Abenteuer Ausland in diesem Semester in den USA.
Carla
Sonne, Strand & Studium
Hey, ich bin Carla und seit August für zwei Semester an der San Diego State University. Nach San Diego wollte ich unbedingt, um den California Lifestyle mit Sonne, Strand und entspannter Atmosphäre zu erleben. Ich studiere Raumplanung und bin gespannt darauf, wie hier an der Küste von den Vereinigten Staaten geplant, gebaut und gelebt wird. Neben spannenden Fachkursen habe ich auch besondere Kurse gewählt, die es in Dortmund nicht gibt, zum Beispiel Surfing oder Culture of Tijuana mit Vorlesung direkt in Mexiko. Am meisten freue ich mich darauf, neue Leute aus aller Welt kennenzulernen, viele Erfahrungen zu sammeln und im Sommersemester davon zu berichten.
Folgt mir gerne auf Instagram (carlscici)!
Studiengang: Raumplanung
Austauschprogramm: ISEP
Wenn man in San Diego lebt, ist Mexiko plötzlich ganz nah. Tijuana („TJ“) liegt mit dem Auto nur etwa 20 Minuten entfernt vom Campus, näher als manche Stadtteile, die noch zu San Diego gehören. Und trotzdem waren viele amerikanische Studierende noch nie dort. Dass hier eine der meistüberquerten Grenzen der Welt ist, und sich dahinter eine ganz andere Kultur verbirgt, vergisst man im Alltag erstaunlich schnell.
Für mich ist diese Nähe zu Mexiko schnell ganz normal geworden. Letztes Semester habe ich den Kurs „Culture and Society of Tijuana“ an der SDSU belegt, und wir haben uns einmal pro Woche auf der mexikanischen Seite der Grenze getroffen. Nicht im Seminarraum, sondern direkt vor Ort bei Organisationen, bei Familien zu Hause, in Stadtteilen, Restaurants oder kulturellen Einrichtungen. Wir haben über die sozialen, politischen und kulturellen Strukturen in TJ gesprochen und die besonderen Dynamiken als Grenzstadt. Das war eine richtig besondere Möglichkeit, die Stadt nicht nur touristisch, sondern authentisch kennenzulernen. Unser Professor ist in TJ sehr bekannt und hat viele Kontakte, weil er sich seit Jahren für Menschenrechte einsetzt, und war gleichzeitig super nahbar. Man hat gemerkt, dass die Auseinandersetzung mit Grenzpolitik, sozialer Ungleichheit und dem Alltag in TJ für ihn kein theoretisches Thema ist, sondern Alltag.
Am Anfang war ich nervös wegen der Grenze. Es ist laut, die Lampen am Grenzübergang flackern, alles wirkt hektisch und sieht erstmal einschüchternder aus, als es am Ende wirklich ist. Die Grenzkontrolleur*innen waren meist freundlich, zumindest mir gegenüber. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass diese Erfahrung stark mit meiner eigenen privilegierten Position zusammenhängt: Für viele Menschen ist die Grenze kein kurzer Zwischenstopp, sondern ein Ort der Unsicherheit, der Kontrolle und manchmal auch der existenziellen Entscheidung. Die Fragen waren jedes Mal fast gleich: Wo warst du? Wo gehst du jetzt hin? Bringst du etwas mit? Für viele Pendler*innen, ist das einfach Routine und normaler Teil ihres Lebens, während es für Migrant*innen, die sich in prekären Situationen befinden, eine ganz andere Bedeutung haben kann.
Tijuana selbst fühlt sich anders an als San Diego. Vieles spielt sich draußen ab mit Essensständen, Musik, und bunten Hauswänden. Im Kurs haben wir durch Gespräche viel über mexikanische Kunst, Musik, Politik, Tourismus und ganz normale Lebensrealitäten gelernt. Und vor dem Kurs gab es fast jede Woche Tacos. Fun Fact: Am letzten Kurstag waren wir im Caesar's Restaurante auf der Avenida Revolución essen, wo der Ceasar Salad erfunden wurde.
Die Nähe zur Grenze beeinflusst San Diego viel stärker, als ich gedacht hätte. Man merkt es am Essen, in der Musik, in Gesprächen im Alltag. Durch den Kurs habe ich San Diego mit anderen Augen wahrnehmen können. Mir ist nochmal bewusst geworden, wie privilegiert es ist, sich frei bewegen zu können und welche Chancen damit verbunden sind. Die Möglichkeit, in unterschiedlichen Ländern zu studieren, verschiedene kulturelle Perspektiven kennenzulernen und wenige Grenzen (geografische noch gedanklich) zu haben, die ich nicht überqueren kann.
Der Kurs war eine der wertvollsten Erfahrungen meines Auslandsaufenthalts weil er mit seinem ungewöhnlichen Format Theorie und Realität so nah zusammengebracht hat. Eines meiner größten Learnings ist, wie wichtig es ist, in der heutigen Zeit nicht nur Medien zu konsumieren, sondern selbst hinzugehen, die Augen aufzumachen, zuzuhören und Fragen zu stellen. Ich kann den Kurs wirklich allen empfehlen, die hier sind und mehr sehen wollen als nur die typische College-Life-Bubble.
Diese Woche starten in San Diego meine Kurse und ich komme für mein zweites Semester an die Uni zurück. Dieses Mal ohne den Startstress, sondern sehr entspannt. Der Anfang eines Auslandssemesters fühlt sich oft weniger nach Abenteuer, mehr nach To-do-Liste an. Handy, Bank, Uni-Unterlagen, Wohnung. Alles Dinge, die man aus Deutschland kennt, aber plötzlich in einem anderen System und vor allem allein regeln muss.
Einer der ersten praktischen Schritte ist ein amerikanischer Handyvertrag. Das ist sehr hilfreich, um erreichbar zu sein und sich im Alltag orientieren zu können. Die Auswahl ist groß und erstmal ein bisschen schwierig zu überblicken. Man fragt sich schnell, wie viel Datenvolumen man wirklich braucht, welcher Zeitraum passt und welches das günstigste Angebot ist. Ich habe mich für Mint Mobile entschieden und war mit der Leistung zufrieden. Zwölf Monate unbegrenztes Datenvolumen, ein guter Preis und eine unkomplizierte Aktivierung.
Auch das Thema Bank war für mich erst mit Unsicherheit verbunden. Brauche ich wirklich ein US-Konto und gibt es versteckte Gebühren, die ich nicht verstehe? Auf dem Campus der SDSU gibt es mehrere Bankfilialen, was vieles einfacher gemacht hat. Die Mitarbeitenden sind hilfsbereit, die Konten kostenfrei und ich kann jederzeit anrufen oder vorbeigehen, wenn ich Fragen habe.
Viele haben außerdem Angst vor Arztbesuchen in den USA. Das System wirkt kompliziert, vor allem wegen der Kosten. Als Austauschstudent*in ist man aber versichert. Auf dem Campus gibt es ärztliche Versorgung und eine Apotheke, was den Zugang deutlich erleichtert. Auch wenn es sich ungewohnt anfühlt, funktioniert es.
Was am meisten Energie kostet, ist weniger die Bürokratie selbst als die Sammlung aus Formularen, E-Mails und der Unsicherheit, ob man an alles gedacht hat. Mir hat der Austausch sehr geholfen. Nachfragen ist völlig in Ordnung, allen geht es am Anfang ähnlich und die Universität kennt diese Fragen. Es gibt Checklisten, Online-Portale und Ansprechpartner*innen, die rückmelden, wenn etwas fehlt. Vieles klärt sich vor Ort und wirkt beim zweiten Blick deutlich weniger kompliziert.
Ja, man muss sich kümmern und ja, das kostet Überwindung, aber alles ist handelbar. Mit jedem erledigten Punkt wächst das Gefühl, hier zurechtzukommen, weil man merkt, dass man es selbst regeln kann.





















